Grundsätzliche Fragen eines HV Anfängers

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  • Hallo Holzheizer,


    über mich und meinen HV könnt Ihr gerne in meinem Vorstellungsthread lesen :)


    Ich würde gerne ein paar Dinge wissen, um besser den Abbrand meines SP Dual zu überwachen.


    • In wiefern gibt mir der prozentuale Wert über die Primärluft, sowie die Sekundärluft Aufschluss darüber, was der Vergaser gerade macht?
    • Wann heizt Ihr euren Vergaser wieder ein, wenn der Puffer auf 30% ist, oder auf 20% oder unter 10%? Was macht am meisten Sinn? Und warum?
    • Worin unterscheidet sich die Einstellung Scheitholz trocken zu Scheitholz feucht, in der Brennstoffeinstellung?


    Momentan, bei ca 9-13 Grad Außentemperatur heize ich ca alle 24-36Std ein.
    Nach 36 Std sind die Puffer allerdings auf ca 9% runter.
    Nach 24Std so zwischen 20-30%, je nach Außentemperatur und Warmwassernutzung.


    Mein Brennraum hat ja ca 145l und meine Puffer 2400l.
    Bei einer Füllung zu ca 75-90% des Brennraumes, habe ich die Puffer zu 100% voll, nach ca 3,5 Stunden.
    Dann ist alles weggebrannt, bzw noch die Restwärme im Kessel.
    Puffer sind dann oben auf 82 Grad, Mitte 82Grad und unten 65-79Grad, je nachdem...
    Warmwasserboiler dann auf 84 Grad.
    Wenn ich diese Werte am Abend gegen 2100 Uhr erreiche, habe ich morgens um 0530 Uhr noch 91% Puffer.
    Meine Nachtabsenkung ist von 2200-0500 Uhr aktiv.
    Absenkung um 15 Grad Vorlauftemperatur.


    Brennt meine Ladung zu schnell ab?
    Ändert es was, wenn sie länger abbrennen würde?


    Sollwert Kesseltemperatur ist bei 80 Grad.
    Rücklauf 60 Grad.
    Diese Werte sind vom Heizungsbauer so gewählt.
    Der Heizungsbauer ist gleichzeitig von fröling geschult und somit für die Abnahme bzw Übergabe berechtigt.
    Ich möchte damit nur sagen, daß er eigentlich wissen müsste, was er tut ;)
    Bisher war ich auch super zufrieden mit dem Service...


    Was mir aufgefallen ist, beim Umstellen von Scheitholz feucht auf trocken:
    Die Kesselstellgröße ist bei trocken leicht geringer, er läuft nicht permanent mit über 90% bis zum Schluss
    und
    die Primärluft- und Sekundärluftwerte ändern sich erheblich.


    Während bei der feuchten Einstellung die Primärluft viel oder fast immer bei über 90% blieb und der Sekundärluftwert anfänglich bei ca 50-60%, zum Schluss bei 10%, ist die Primärluft gesunken und die Sekundärluft eher gestiegen.
    Deshalb oben meine Frage nach der Bedeutung.


    Meine Abgastemperatur liegt immer irgendwo zwischen 170 und 200 Grad.
    200 eher zum Schluss hin, wenn quasi nur noch die letzte Lage glüht.
    Dann sinkt sie und der Restsauerstoffgehalt steigt, bis der Ofen aus ist...


    Bringt es was, die Kessel Soll Temperatur abzusenken, auf z.B. 75 Grad, wie ich es hier von einigen schon gelesen hatte?
    Was würde sich dann ändern?
    Nicht mehr so aggressiver abbrand?
    Also damit meine ich, daß der Ofen nicht mehr die ganze Zeit auf Vollast läuft...


    Im Prinzip liegt mir viel daran, möglichst den Abbrand so zu gestalten, daß es Materialschonend von statten geht.
    In meiner Brennkammer ist auch immer eine gewisse Dicke Schicht alter Asche, auf Anraten eines Freundes, der schon länger HV Heizer ist, auch hier im Forum vertreten.


    So, erstmal genug...


    Viele Grüße


    Christian

  • Ist doch alles gut so freue dich.
    Fröling sagt die Ascheschicht darf bis Unterkante der Sekundärbohrungen in den Einhängeblechen liegen.
    Die Brennzeit ist OK Kesselsoll ebenso.
    So wie er jetzt läuft ist es der beste Wirkungsgrad.

  • Ich bin da anderer Ansicht als Ruedi1952,


    Kesselstellgröße von permanent über 90 % ist nicht optimal, 3,5 Stunden Brenndauer ist sehr fix...das wäre mir zu fix.


    Zu deiner Frage zur Einstellung trockenes Holz. Hier wird der Primärluft und Sekundärluft Wert parallelverschoben. Es gibt den Ansteuerungswert und den Wert der tatsächlichen Öffnung der Luftklappe. Normalerweise ist die Primärluftklappe bei 99 % Ansteuerung zu 99 % geöffnet, stellst du den Kessel auf sehr trockenes Scheitholz dann ist sie bei 99 % nur noch zu 79 % (hab ich nicht mehr haargenau im Kopf, könnte auch paar % mehr oder weniger sein) geöffnet, d.h. sie ist immer ein weniger weit offen, was die Leistung etwas drosselt. Die Werte kann man auch von Hand einzeln verstellen, anstatt die Option von Fröling zu nutzen.
    Der Kessel ist nicht ganz so intelligent wie er sein könnte, viele Werte ändern sich nur in Abhängigkeit, von daher kann es Sinn machen, an gewissen Voreinstellungen etwas zu ändern, wie z.B. bei sehr trockenem oder kleinen Holz.


    All deine Werte klingen ok, der Abbrand scheint gut zu funktionieren. Von daher tippe ich liegt die kurze Brenndauer nicht am Abbrandverhalten, sondern am Abtransport der Wärme. Meiner Ansicht nach ist die Voreinstellung für die geringste Drehzahl der Pufferladepumpe rel. hoch eingestellt, ab Werk, 45 % bei meinem Kessel, drunter geht da nix. Alles was du zum optimieren und drosseln einstellen würdest, würde dann nicht greifen, denn wenn die Kesseltemp unter den eingestellten Wert fällt, gibt der Kessel gas ;) Also der Ansatz mit Kesseltemp auf 75 runter war schon der richtige Weg, ich würde aber zunächst die minimale Drehzahl der Pufferladepumpe um 5 % absenken, hätte den gleichen Effekt, du führst weniger Energie ab in die Puffer, die Kesseltemp ist leichter auf 80 Grad zu halten und der Kessel regelt sich runter und brennt auch mal unter 90 %.


    Wenn der Kessel nicht den ganzen Abbrand mit über 90 % Leistung brennt, wäre das schon etwas besser und nicht so agressiv.


    Kleiner Tipp zur Optimierung des Abbrandverhaltens: Rasperry Pi via seriellem Kabel an den Kessel anschließen, p4d Software hier ausm Forum installieren, dann kannst du sämtliche Werte loggen und grafisch in kurven darstellen lassen, dann siehst du genau was Phase ist...hilft ungemein bei der Fehlersuche und Optimierung.

  • Das klingt nach einem Fahrplan :thumbup:
    Raspberry pi...
    Ich weiß gar nicht, was das ist.
    Aber den Begriff habe ich hier schon öfters gelesen.


    Dazu werde ich mich mal schlau machen.


    Danke schonmal für die Tipps!


    Das mit der Pufferladepumpe gucke ich mir später an, bevor ich den Kessel einheize.
    Bin gespannt, was ich beobachten kann.
    Ich muss ja zugeben, daß mich mein HV total fasziniert, seit ich ihn habe :D

  • Hallo,


    Hier mal etwas zum Lesen:
    Planung einer neuen Heizungsanlage - Holzvergaser für Alt - und Neubau - Tscharlson


    Ich habe keinen Fröling und kann dir speziell dazu nichts sagen.
    Das haben aber die Schreiber vor mir schon gemacht.
    Betrachten wir das mal vom Grundsatz her, da alle HV nach dem gleichen Prinzip arbeiten.


    Dann zu deinen Fragen.
    Frage 1
    Der Prozent Wert der Primärluft (PL) bzw der Sekundärluft (SL) sagt in der Regel nur etwas über die bei der Inbetriebnahme
    bzw. vom Hersteller festgelegte Klappenöffnung aus.
    Damit,auch etwas über die Luftmenge welche über den Ventilator in den Brennraum gedrückt wird.
    Hast du Ablagerungen vor den Luftöffnungen im Brennraum wird die Luft weniger.
    Damit sollte die Ausblasseite und auch die Ansaugseite frei sein. Dazu gehört auch die freie Luftzufuhr in deinem Heizraum.
    Man kann also davon ausgehen, das bei einer angezeigten Prozentanzeige immer annähernd die gleiche Luftmenge der Verbrennung
    zur Verfügung steht.
    100% ist damit die max. Luftmenge, 0% ist keine Luft.


    Die Primärluft wird in den Füllraum gegeben und bestimmt damit das zur Verfügung stehende Brenngas,
    mehr PL ergibt mehr Gas. Bestimmt wird die Primärluft durch die Höhe der Abgastemperatur (Aber nicht nur!).
    Warum Abgastemperatur?
    Der Kessel ist Stück wassergefüllter Blechkasten, damit feste Wärmetauscherflächen.
    Die erzeugte Wärme erzeugt eine bestimmte Abgastemperatur. Erhöht man die erzeugte Wärme, erhöht sich auch die Abgastemperatur.
    Umgekehrt natürlich genau so.
    Damit ist die Abgastemperatur ein Maß für die gefahrene Leistung.
    Wenn dein Speicher soweit gefüllt ist, steigt auch dessen Rücklauftemperatur.
    Wenn die Wärmezufuhr in deinem Kessel weiter ansteht, wird damit auch deine Vorlauftemperatur steigen.
    Ist diese (VLT) über einem einstellbaren Wert, wird auch hier, zur Reduzierung der gefahrenen Leistung, die PL zurück genommen.


    Die Sekundärluft dient zur Nachverbrennung und wird in der Regel nur vom O2-Wert im Rauchgas bestimmt.
    Je nach Hersteller werden da schon mal Luftzuführungen etwas anders angesteuert. Aber der Grundsatz bleibt.


    Frage 2
    Wann neu anheizen?
    Ich mache das wenn mein Speicher leer ist.
    Ich habe dann in der Regel eine Restmenge von ca. 150...200L im oberen Teil des Speichers.
    Dazu habe ich mir eine Signalisierung angebaut. Wenn dies Grenze erreicht ist, geht eine kleine Hupe an und sagt damit "Mach hin, anheizen".
    Heize ich nicht wird es halt kalt.
    Ich versuche damit alle 24h einmal anzuheizen. In den Übergangszeiten heize ich mit Öl, da sonst der HV zu viel auskühlt.


    Frage 3


    Wie lange dauert ein Abbrand?
    Das kann man, ohne weitere Angaben, so nicht sagen.

    Ich versuche es trotzdem mal.

    Die Verbrennung erfolgt nach Gewicht, dazu muss man das Holz wiegen was du in den Füllraum einschichtest.

    Dadurch das jedes Holzscheit etwas anders ist kommen beim Abbrennen immer wieder andere Werte raus.
    Dann sollte das Holz immer die gleiche Feuchte haben.

    Die Feuchte bestimmt den Heizwert in kWh/kg.
    Feuchte wird in %Atro gemessen, Feuchte: Ist das Verhältnis zwischen Wasser und Trockensubstanz
    Wassergehalt in % Wasser, Wassergehalt: Ist das Verhältnis zwischen Wasser und Gesamtsubstanz
    Hier etwas über die Feuchte :
    de.wikipedia.org/wiki/Holzfeuchte

    bei 15% Wassergehalt hast du ca. 17,6% Atro

    Laubholz hat als oberen Heizwert 5 kWh/kg
    Nadelholz hat als oberen Heizwert 5,2 kWh/kg
    Der obere Heizwert ist der Heizwert Ho der Trockenmasse, also ohne Wasser.
    Jetzt nehmen wir mal einen Mischheizwert Ho von 5,1kWh/kg an.

    Da du aber, angenommen, 15% Wassergehalt hast, ist der Hu, der untere Heizwert, ca. 4,241 kWh/kg
    Mit diesem Wert, in Verbindung mit dem Gewicht des Brennstoffes im Füllraum hast du die Wärmeenergie welche im Holz steckt.


    Du solltest damit schon aus eigenem Interesse immer trockenes Holz (=<15%) verheizen.
    Du wirfst sonst Energie zum Fenster raus.
    Die nach dem Volumen gleiche Menge Holz hat bei größerer Feuchte weniger Heizwert.
    Warum die Leute von Fröling diese Umschaltung eingebaut haben, keine Ahnung, ist evtl. ein Verkaufsargument.


    Eine andere Frage war die Absenkung der Vorlauftemperatur
    Wenn du die VLT absenkst, geht weniger Energie in deinen Speicher.
    Auch eine zu hohe RLT verringert dir die Energie im Speicher.


    Da musst du andere Zusammenhänge beachten.


    Du schickst durch die Rücklaufanhebung (RLTA) immer eine feste RLT in den Kessel.
    Diese RLT wird auf die VLT erwärmt und geht in deinen Speicher.
    Die Frage ist halt durch was wird diese VLT erreicht.
    Wir hatten ja etwas weiter oben schon gesagt, das beim Erreichen einer einstellbaren VLT der Kessel in seiner Leistung begrenzt wird.
    Wenn der Kessel während seiner normalen Laufzeit die VLT über, sagen wir einmal 86...88°C erwärmt,
    wird die Leistung der Feuerung durch die Reduzierung der PL zurück gefahren damit die Sicherheitseinrichtungen nicht angefahren werden.
    Wenn der Kessel die Leistung reduziert, dann geht auch automatisch die RGT zurück.
    Daher die Beobachtung der RGT zwischen 170...200°C.
    Der Kessel reduziert die VLT wieder und die Leistung wird wieder hoch gefahren.
    Das kann so ein ständiges hin und her erzeugen.


    Du gibst an das deine RLTA auf 60°C steht.
    Das hat der Inbetriebnehmer ja so eingestellt.
    Vielleicht ist dem ja schon aufgefallen das der Kessel etwas zu hoch in der VLT geht.
    Durch Reduzierung der RLTA reduziert sich auch die VLT und würde den Schaltpunkt zur Rücknahme der Leistung nicht erreichen.
    Würde ich aber nicht machen.
    Die RLTA sollte über 60°C stehen, da diese Temperatur vom Kondensatpunkt der Rauchgase bestimmt wird.
    Der Kondensatpunkt verschiebt sich in Abhängigkeit des O2 Gehaltes und der Materialfeuchte.
    Also, besser 65°C wie 60°C.
    Der Haken dabei ist das die Pumpe dann mehr Wasser fördern muss.
    Das solltest du einmal prüfen ob dies möglich ist.
    Oder du veränderst die Primärluft nach unten, wenn das möglich ist.
    Veränderst du die Einstellung der Primärluft nach unten, dann wird der Kessel etwas länger brennen.


    Mit der Fördermenge der Pumpe sorgst du dafür das die erzeugte Wärme abgeführt wird.
    Bei sonst gleichen Bedingungen wird eine Erhöhung des Wasserdurchflusses die VLT kleiner werden lassen.
    Umgekehrt wird eine Verkleinerung die VLT ansteigen lassen.


    Es gilt also die VLT nicht wesentlich über 80°C ansteigen zu lassen.


    Kannst du an der Pumpe nichts ändern, musst du die Primärluft ändern.
    Aber bei 200°C RGT hast du noch etwas Luft nach unten.
    Ich erreiche bei noch guter Fahrweise etwa 180°C, noch niedriger bringt den Abriss er Flamme.
    Andere Kessel fahren noch mit 160°C recht gut.
    Dabei ist die RGT am Schornsteinausgang zu beachten. Es sollte natürlich auch kein Kondensat im Schornstein auftreten.



    Du hast also schon richtig gesehen das da etwas nicht optimal eingestellt ist.


    mfg
    HJH

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