Das kleine Fragen ABC zur Instandsetzung - nachdem der Kessel
sauber und einsehbar ist.
Wo ist der Kessel undicht?
Komme ich da mit der Hand noch hin, ist das Leck einsehbar und bearbeitbar mit Schleifwerkzeugen? Kann ein gut 20cm langer Schweißbrenner oder eine Elektrode die Stelle von mehreren Winkeln aus mit der HAND erreichen? Der Schweißer muss ausreichend Platz haben, für sich und das Werkzeug. Ist das der Fall? Das ist gut.
Riss oder Durchrostung?
Ein alter Kessel, Säure aufgrund nassen Holzes und deshalb Korrosion? Oder überaus starke Hitzeeinwirkung auf den Kesselstahl und damit großflächige (10cm² und mehr) Wandstärkenschwächung? Dann ist die Reparatur eher sinnlos. Bei Rissen sieht das anders aus. Hier ist die Frage eher wo und wie lange ist der Riss. Kurzer Riss im Bereich weniger Zentimeter (besser) oder langer Riss 10 und mehr Zentimeter haben oft völlig verschiedene Ursachen. Lang ist eher sehr schlecht.
Guss oder Stahl?
Das macht einen riesengroßen Unterschied. Stähle (hier meist in Blechform – zur Verständlichkeit) sind generell leicht schweißbar, Stahlgüsse (erkennbar an Sonderformen und „rauer“ Oberfläche) eher bedingt bis unmöglich. Güsse werden nicht selten mit hohem Nickelanteil geschweißt das erfordert viel Erfahrung, ist ungesund beim Einatmen und wird eher bis ganz Sicher auf Ablehnung stoßen.
Kesselaussenhaut oder Kesselinnenwand?
Im Kessel wird es oft schwer bis unmöglich. Der Zugang ist hier nur die Fülltüre – was passt da außer Holz noch hinein? Muss etwas demontiert werden? Schamottausbau? Düsen? Wenn das alles ausgebaut werden muss vergehen nicht selten 5 Stunden und mehr für den Ein und Ausbau.
Das smarte Leben...Steuergeräte.
Kein Monteur wird auf eigenes Risiko Kessel schweißen ohne vorher die Steuergeräte komplett ausgebaut zu haben. Zumindest beim E-Schweißen können durch den Lichtbogen und dessen Zündung zerstörerische Spannungen entstehen. Die Kesselsteuerung kann dadurch unwiderbringlich zerstört werden. Das ist zwar eher selten wenn die Schweißvorbereitung exakt ausgeführt wird (Massepunkt, der Kessel sehr gut geerdet ist), aber eben durchaus möglich. Das kostet Zeit und Geld.
Die Garantiefrage und Haftungsproblematik
Bei Kesseln die im Kulanz oder Garantiefenster liegen erlischt diese wenn nicht der Hersteller den Reparateur beauftragt. Namhafte Firmen werden bei jüngeren Kesseln Hilfe anbieten. Günstige „Ost“ Hersteller nicht. Welcher Schweißer kann für den gebrauchten Stahl im Umfeld der Schweißnaht garantieren, dass dieser auch wirklich in Zukunft dicht bleibt? Niemand. Das ist und bleibt das Kundenrisiko. Allerdings wird niemand der hier repariert hat wollen, dass ihm vorgeworfen wird schlecht gearbeitet zu haben, nur weil es in Reparaturnähe wieder undicht ist (aufgrund der allgemein schlechten Stahlstruktur) die sich vielleicht erst während der Instandsetzung zeigt.
Viel heißes Wasser….
kann nicht nur auslaufen sondern auch verbrühen. Wer ist für Folgeschäden verantwortlich? Bei Personenschäden mit Sicherheit immer jeder der an der Reparatur beteiligt war. Kann und will man dieses Risiko notfalls mit verantworten? Der Kunde zeigt mit dem Finger immer auf den Reparateur. Man hat sich ja darauf verlassen, dass nicht´s passieren kann... Der Freund wird eher helfen wollen (denkt er auch an das Risiko das er damit u.U. eingeht?) , der Monteur wird sich fragen müssen – zahlt im Notfall meine Berufshaftpflicht oder war das fahrlässig?
Die Kosten ganz pauschal…
Der Monteur muss an und abreisen. Den Kessel reinigen, zerlegen, Steuergeräte ausbauen, Schweißen, Wasser ablassen, befüllen. Die Dichtheit prüfen und nicht zuletzt für viel Geld Werkzeug und Erfahrung mit bringen müssen. Ein Tag ist da nicht sehr viel Zeit. Also 8 Stunden mal X Euro, plus Werkzeug (Schweißmaterial, Schleifmaterial) und natürlich ggf. die Reisekosten. Rechnen wir im günstigen Fall einfach mit 700€ +deutlich mehr. Lohnt sich das für meinen „alten“ Kessel wirklich? Bei all dem Risiko?
Warum Heizungsbauer und Kesselhersteller solche Reparaturen eher ablehnen dürfte jetzt hoffentlich ein wenig verständlicher geworden sein. Falls sich ein Reparateur findet, der nicht aus dem unmittelbaren Bekanntenkreis ist oder innerhalb der Herstellergarantie arbeiten muss, hat man Glück im Unglück gehabt.