Korrosionsschutz für Holzvergaser

There are 14 replies in this Thread which was already clicked 1,101 times. The last Post () by Waelder.

  • An alle Holzheizer:

    Seit nunmehr drei Jahrzehnten heize ich meine Halle sowie das Wohnhaus mit einem Holzvergaser-Kessel (Scheitholz). Ich bin nun bei Kessel Nummer drei, habe den ersten Kessel stets gegen einen baugleichen, gebrauchten Kessel ersetzt. Auch, um meinen Schorni nicht hinsichtlich der Puffergröße einem Handlungsbedarf auszusetzen. Der Exodus der Kessel vollzog sich immer gleich: Die Bleche waren dünn geworden und schließlich lief das Wasser in den Brennraum.

    Jetzt meine Fragen: Welche Einflüssse schädigen das Kesselmaterial (ich fürchte, es ist Korrosion)?

    Hat jemand Erfahrung mit (wirksamen) Vorkehrungen gegen den Materialfraß?

    Ich bedanke mich im Voraus für jeden Tipp.


    Mit besten Wünschen für die kalte Jahreszeit

    Thomas

  • Ich heize seit April 97 immer noch mit dem ersten Kessel. Auch ein Künzel hv bt31! In meinen Augen ist die Abgastemperatur das A und O für eine lange Lebensdauer. Zusätzlich habe ich seit 2010 meinen Füllraum zusätzlich mit Schamottsteinen an den Seitenwänden ausgestattet.

    Welche Abgastemperatur hast du denn eingestellt?

  • Ein Bild vom Schaden könnte da vielleicht was sagen? Wurden die Wände runtergeschruppt vom Holz oder Reinigung? Oder fallen da Rosttafeln ab?

    Ich vermute das mein alter Holzkessel im Sommer wegrostete weil die Asche nicht entfernt wurde :sleeping:

  • Ja, kann alles sein. Der Kessel rostet von der Ascheseite her weg, oder? Hieße: Wenn ich ihn dort verkleide (durch Schamott oder durch zusätzliche Stahlplatten) dann reduziere ich den Verschleiß. Bin für Erfahrungsberichte diesbezüglich dankbar. Die alten Kessel eignen sich nicht mehr zur Diagnose, weil ich sie erst einmal geschweißt hatte, um so noch ein paar Jahre, im anderen Fall ein paar Monate über die Runden zu kommen. Spurensicherung ist da nicht mehr möglich....

  • Die Kessel sind aus Stahl und der rostet nun mal bei Feuchtigkeit.

    Die Abgase bringen die Feuchtigkeit auch unter den Ruß bis an den Stahl.

    Da würde auch Verkleidung nichts bringen. Die Lösung ist die Rücklaufanhebung auf über 65 Grad oder mehr.

    Ab dieser Temperatur kondensieren die Abgase nicht mehr und dann hält auch ein HV.

    Die Rücklauftemperatur muß regelmäßig überprüft werden am besten immer mit einem ständig angelegtem Thermometer.

    So kann man sofort erkennen ob alles in Ordnung ist. Wenn der Kessel dann noch jedes Mal ausbrennen kann und nicht in Feuerhaltung geht wird er lange halten.

  • Moin!


    Ihr habt schon vieles richtig erklärt, hier noch ein paar Anmerkungen und allgemeine Ergänzungen zum Thema:


    Die schon damals zu den Kesseln verkaufte RLA hat eine feste Temperatur von 63°C. Zwischen der RLA und dem Kessel sollten somit über 60°C im Betrieb messbar sein. Wenn kein Thermometer verbaut wurde, hilft ein Infrarotthermometer. Die RLA sollte alle 3-5 Jahre gewartet werden.


    Wenn eine weitere Heizquelle an der Anlage hängt und der HV nicht abgetrennt ist, muss auf Kondensation im HV-Brennraum geachtet werden.


    Eine Abgastemperatur von 180-200°C spricht für sehr sehr saubere Wärmetauscherflächen (und müsste nach zwei Tagen merklich höher steigen) oder für eine relativ schwache Vergaserflamme. Die Abgastemperatur darf bei den alten Modellen gerne dauerhaft bei über 200 - 240°C liegen. Die Kesseltemperatur selbst sollte bei mindestens 72°C liegen und darf auch ruhig 10°C mehr betragen.


    Weitere Gründe für eine niedrige Abgastemperatur beim BT31 wären

    - sehr oft: falscher Aufbau vom Brenner (z.B. Brennertopf hängt in den Oberplatten, das führt zur Abkühlung der Vergaserflamme)

    - schwache Gebläse => Flügelräderkanten optisch und haptisch auf Abtragungen prüfen, circa alle 10 Jahre tauschen

    - Brennstoffe wie z.B. überlagertes Holz (Totholz) oder auch zu kurz gelagerte Eiche


    Das Reinigen der Kesselwände mit einem scharfkantigen Werkzeug oder einer sehr festen Stahlbürste ist grundsätzlich eine schlechte Idee, die entstehenden Kratzer können Feuchtigkeit bzw. dann auch korrosive Säuren aufnehmen und an Ort und Stelle halten. Dort könnte das Material also über kurz oder lang geschwächt werden. Es kann aber auch aus dem Druckkörper selbst Probleme geben, die für Korrosion sorgen. Wenn Luft (Sauerstoff) in der Anlage ist, können Luftblasen an ruhigen, strömungsarmen Stellen im Kesselkörper anhaften. Diese "Bläschen-Korrosion" haben wir schon in mehreren Anlagen vorgefunden. Es entstehen dann von der Innenwandung her Rostblasen, die ggf. irgendwann in den Feuerraum aufbrechen. Das ist dann wie bei einem älteren Kotflügel, auf dem man von außen auch erstmal nichts oder nur eine leichte Beule sieht, drunter ist aber nur noch Rost. Diese Art der Korrosion kann punktuell mit nur einem Bläschen, als auch flächig mit 20-30 Löchern auftreten. Fremdpartikel im Heizungswasser können ebenfalls negative Einflüsse haben. Im Allgemeinen sollte man mit dem heutigen Wissen deutlich mehr an die Wichtigkeit der Heizungswasserqualität denken, Heizungspumpen und Ventile werden es einem ebenfalls mit längerer Lebensdauer danken. Aufgrund einfacherer Technik und größerer Toleranzen war das früher nicht so ausschlaggebend (Thema Energieeffizienz).


    P.S.: Das Auskleiden, wie bei Holzfreund5, ist oftmals aus verschiedenen Gründen eine gute Idee, wenn man in der Anlage Leistungsreserven hat. Im Betrieb sorgen die Steine für eine Rückstrahlung in das Feuer und Erhitzen es noch mehr, damit entstehen weniger Emissionen und weniger Dreck. Nach dem Betrieb nehmen sie Feuchtigkeit aus dem Brennraum auf, die sie mit dem nächsten Abbrand wieder abgeben.


    Schönes Wochenende!


    Mit freundlichen Grüßen


    Tim Künzel

  • Ich denke, dass die bisherigen Durchbrüche der Wandungen meiner Kessel (bislang zwei) darauf schließen lassen, dass die Korrosion vom Füllraum ausgeht. Ich muss aber hinzufügen, dass der erste Kessel beim Kollaps schon über zwanzig Jahre alt war und der zweite war gebraucht erworben mit entsprechend unklarer Vita. Jetzt habe ich Kessel Nummer drei und würde den gern noch lang erhalten.

    Ich werde in nächster Zeit die Stirnseiten des Füllraums im unteren Bereich mit zusätzlichen Stahlplaten schützen. Steine würden mir zuviel Volumen des Füllraums nehmen. Mal sehen, ob's hilft.

    Rücklaufanhebung wird natürlich kontrolliert.

  • P.S.: Das Auskleiden, wie bei Holzfreund5, ist oftmals aus verschiedenen Gründen eine gute Idee, wenn man in der Anlage Leistungsreserven hat. Im Betrieb sorgen die Steine für eine Rückstrahlung in das Feuer und Erhitzen es noch mehr, damit entstehen weniger Emissionen und weniger Dreck. Nach dem Betrieb nehmen sie Feuchtigkeit aus dem Brennraum auf, die sie mit dem nächsten Abbrand wieder abgeben.

    Lieber Herr Künzel,

    Das haben Sie sehr schön geschrieben und wunderbar den Sachverhalt auf den Punkt gebracht!

    Ich bedauere sehr, dass der hvbt31 von 1996 nicht mehr hergestellt wird.

    Mit meinen eigenen Modifikationen bin ich mit dem Kessel höchst zufrieden.

  • Darum habe ich einen Kessel , dessen Füllraum und die Füllraumverkleidung aus Edelstahl ist



    Gruß aus dem Schwarzwald

    Christoph

    Ein Pufferspeicher ist nie zu groß ! höchstens zu schlecht Isoliert

    Warmes Haus Glückliche Frau :saint:

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